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Wirtschaft und Poli­tik aus Deutsch­land und Rus­s­land trafen sich zum Katha­ri­na-Forum in Zerb­st. Die Koop­er­a­tion soll ver­tieft wer­den.

© Thomas Kirch­n­er

Hier geht’s zum Orig­i­nal-Artikel von T. Kirch­n­er

Zerb­st l Das Ergeb­nis des zweitägi­gen deutsch-rus­sis­chen Wirtschafts­di­alogs kann man in drei Punk­ten zusam­men­fassen. Erstens: Die Sank­tio­nen, die die Vere­inigten Staat­en und die Europäis­che Union wegen der Annex­ion der Krim und des Krieges in der Ukraine gegen Rus­s­land ver­hängt haben, nutzen nie­man­den – wed­er der Poli­tik und erst recht nicht der Wirtschaft – darin waren sich alle Teil­nehmer des zweit­en Zerb­ster Katha­ri­na-Forums einig.

Zweit­ens: Es gibt sie trotz aller Widrigkeit­en noch, die wirtschaftliche Zusam­me­nar­beit zwis­chen Unternehmen bei­der Län­der. Nicht nur das. Die Wirtschafts­beziehun­gen sollen und müssen in den Augen der Teil­nehmer weit­er aus­ge­baut wer­den. Und schließlich drit­tens: Der deutsch-rus­sis­che Wirtschafts­di­a­log soll auch im kom­menden Jahr in Zerb­st fort­ge­set­zt wer­den.

Katharina-Forum auch 2020

Beim let­zten Punkt haben die Teil­nehmer der Kon­ferenz das Wirtschaftsmin­is­teri­um in Magde­burg wohl schon auf ihrer Seite, denn Wirtschaftsstaatssekretär Jür­gen Ude ging in seinem Gruß­wort ganz selb­stver­ständlich von ein­er Fort­set­zung des Katha­ri­na-Forums auch im Jahr 2020 aus und gab auch gle­ich das The­ma der Kon­ferenz vor. „Neben den wirtschaftlichen Beziehun­gen wird beim Katha­ri­na-Forum im näch­sten Jahr der Bere­ich Wis­senschaft ein Schw­er­punkt sein“, sagte Ude, der sich kür­zlich selb­st mit ein­er Del­e­ga­tion zu Wirtschafts­ge­sprächen in Rus­s­land aufhielt.

Meine Mitar­beit­er und ich haben auf der Reise über­legt, was wir beim drit­ten Forum machen kön­nen, das wir gemein­sam mit euch gestal­ten wollen? Und wir haben her­aus­gear­beit­et, ein Schw­er­punkt wird – neben der Wirtschaft natür­lich – das The­ma Wis­senschaft sein“, so der Staatssekretär wörtlich.

Gespräche fortsetzen

Ude machte deut­lich, wie wichtig solche Wirtschaft­skon­sul­ta­tio­nen auch im kleinen seien. „Darum ist es von außeror­dentlich­er Bedeu­tung, die Gespräche fortzuset­zen und die Zusam­me­nar­beit zu inten­sivieren“, betonte der Staatssekretär.

Bürg­er­meis­ter Andreas Dittmann (SPD) brachte seine Freude darüber zum Aus­druck, dass Min­is­ter­präsi­den­ten Rein­er Haseloff (CDU) auch in diesem Jahr die Schirmherrschaft des Katha­ri­na-Forums über­nom­men hat und damit deut­lich mache, dass er in ein­er Rei­he mit jenen deutschen Poli­tik­ern ste­ht, die sich nicht mit eindi­men­sion­alen Welt­deu­tun­gen zufrieden geben.

Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt stärken

Eben­so freue ich mich über die große Unter­stützung, die wir aus dem Wirtschaftsmin­is­teri­um erfahren haben. Sie investieren damit in einen Part­ner, der sie mit diesem Forum wiederum gern in ihren Bemühun­gen zur Stärkung des Außen­han­dels unseres Bun­des­lan­des mit Rus­s­land und damit des Wirtschafts­stan­dortes Sach­sen-Anhalt unter­stützt“, so das Zerb­ster Stad­to­ber­haupt.

Alexan­der Smekalin, Vor­sitzen­der der Regierung der Region Uljanowsk sieht Par­al­le­len in der wirtschaftlichen Aus­rich­tung bei­der Regio­nen. „Ähn­lich wie in Sach­sen-Anhalt gibt es auch in der Region Uljanowsk viele Unternehmen im Maschi­nen­bau, der Medi­z­in­tech­nik, in der Land­wirtschaft und in der Energiewirtschaft, an denen auch zahlre­iche deutsche Fir­men beteiligt sind“, sagte der Regierungschef. Auch er wün­sche sich eine engere Zusam­me­nar­beit und noch mehr Koop­er­a­tio­nen.

Warenaustausch verlangsamt

Han­sjür­gen Over­stolz, Präsi­dent der Bosch Group Rus­s­land wies anschließend in seinem Vor­trag darauf hin, dass acht Prozent des gesamten rus­sis­chen Ware­naus­tausches auf Deutsch­land ent­fall­en. „Obwohl die derzeit­ige Sta­bil­ität des Rubels hil­ft, hat sich der Ware­naus­tausch in den ersten sechs Monat­en des Jahres etwas ver­langsamt“, so Over­stolz.

Wenn man sich dann den Anteil Europas am rus­sis­chen Han­del anschaue und zusam­men­rechne, so liege dieser bei rund 43 Prozent, also bei rund 300 Mil­liar­den US-Dol­lar. Bei den USA seien es hinge­gen nur knapp 20 Mil­liar­den. „Und das ist auch der Grund, warum die Vere­inigten Staat­en so wenig Rück­sicht auf die Europäis­che Union und auf Deutsch­land nehmen, wenn es um die Frage von Sank­tio­nen geht“, erläuterte der Bosch-Man­ag­er. Pos­i­tiv sei jedoch, dass Deutsch­land und die anderen Staat­en wieder in Rus­s­land investieren. „Im ersten Quar­tal 2019 flossen 1,1 Mil­liar­den US-Dol­lar, und das ist gut für die rus­sis­che Wirtschaft“, betonte Over­stolz.

Foren und Workshops

Bei Foren und Work-Shops, beispiel­sweise zu The­men wie erneuer­bare Energien, dig­i­tale Trans­for­ma­tion, Medi­z­in­tech­nik oder Biotech­nolo­gie erörterten die Teil­nehmer bei­der Län­der Möglichkeit­en der Zusam­me­nar­beit. Bere­its am Vor­mit­tag kon­nten die Forum-Teil­nehmer an Führun­gen durch den Zerb­ster Energiepark auf dem Flug­platz oder dem Chemiepark Bit­ter­feld-Wolfen teil­nehmen.

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