Katharina-Forum will Handelspartner mit Russland vermitteln

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Sach­sen-Anhalt als Verbindungspunkt zwis­chen Deutsch­land und Rus­s­land: Das Katha­ri­na-Forum will bei seinem bevorste­hen­den Dia­log in Zerbst/Anhalt für die Her­aus­forderun­gen durch die beste­hen­den Wirtschaftssank­tio­nen sen­si­bil­isieren und neue Per­spek­tiv­en eröff­nen.

Rus­s­land ist, vor allem hin­sichtlich der Importe, ein bedeu­ten­der Han­delspart­ner für Sach­sen-Anhalt”, teilte die Staatskan­zlei in Magde­burg vor Beginn der Tagung (30. Sep­tem­ber bis 1. Okto­ber) der Deutschen Presse-Agen­tur mit.

Viele kleine und mit­tlere Unternehmen hät­ten enge Beziehun­gen zu Rus­s­land. Für diese kön­nten aber die beste­hen­den gegen­seit­i­gen Sank­tio­nen ein Prob­lem sein, hieß es weit­er. Wirtschaftsvertreter bei­der Län­der wollen in Zerb­st auch bei einem „Speed-Dat­ing” etwa über erneuer­bare Energien, dig­i­tale Trans­for­ma­tion und Agrar­wirtschaft reden.

Ziel ist es, Kon­tak­te für zukün­ftige Geschäfte zu knüpfen und damit der lan­gen Tra­di­tion deutsch-rus­sis­ch­er Beziehun­gen neue Impulse zu geben”, teilte das Wirtschaftsmin­is­teri­um Sach­sen-Anhalts mit. Die Behörde organ­isiert das Forum gemein­sam mit der Stadt Zerb­st. Dabei solle das zum zweit­en Mal stat­tfind­ende Katha­ri­na-Forum als festes For­mat etabliert wer­den. Namensge­berin ist die rus­sis­che Zarin Katha­ri­na II. „die Große” (1729–1796), die als Prinzessin in Zerb­st aufgewach­sen ist.

Obwohl die poli­tis­chen Beziehun­gen nach wie vor schwierig und anges­pan­nt sind, hat sich die deutsche Wirtschaft als sta­bile Brücke zwis­chen unseren bei­den wichti­gen Län­dern bewährt”, teilte der Vor­standsvor­sitzende der Deutsch-Rus­sis­chen Außen­han­del­skam­mer (AHK) in Moskau, Matthias Schepp, mit. Rus­s­land sei als Investi­tion­s­stan­dort trotz aller Schwierigkeit­en deut­lich bess­er als sein Ruf. Ein wirtschaftlich­es „Anban­deln” bei­der Län­der wäre gewinnbrin­gend für alle. Die Sank­tio­nen hiel­ten viele deutsche Unternehmen aber davon ab, in Rus­s­landgeschäfte zu investieren.

Die Europäis­che Union hat­te wegen der rus­sis­chen Ein­ver­lei­bung der ukrainis­chen Hal­binsel Krim sowie nach dem Abschuss eines Pas­sagier­flugzeugs über der Ukraine im Juli 2014 Wirtschaftssank­tio­nen gegen Rus­s­land beschlossen. Die Straf­maß­nah­men wur­den erst kür­zlich wieder ver­längert. Moskau hat sein­er­seits mit Sank­tio­nen gegen die EU reagiert.

Die Straf­maß­nah­men haben vor allem der ost­deutschen Wirtschaft geschadet. So ging etwa zwis­chen 2013 und 2018 das deutsch-rus­sis­che Han­delsvol­u­men in Sach­sen-Anhalt um 24,0 Prozent gesunken, wie der Ost-Auss­chuss der Deutschen Wirtschaft Mitte Juli mit­geteilt hat­te. Der Bun­des­durch­schnitt liegt bei minus 19,7 Prozent.

2018 exportierten Unternehmen aus Sach­sen-Anhalt nach Angaben des Wirtschaftsmin­is­teri­ums Waren im Wert von 315 Mil­lio­nen Euro nach Rus­s­land. Im Reko­rd­jahr 2012 waren es rund 503,4 Mil­lio­nen Euro. Im Wesentlichen han­delte es sich um phar­mazeutis­che und chemis­che Erzeug­nisse, Kun­st­stoffe, Fahrzeugkom­po­nen­ten, Papier­waren und Maschi­nen. Der Anteil am Gesam­t­ex­port Sach­sen-Anhalts lag bei 1,93 Prozent.

Im Export-Rank­ing belegt der rus­sis­che Markt seit den 1990er Jahren einen eher nachrangi­gen Platz (2018: Platz 15). Beim Import liegt Rus­s­land hinge­gen mit großem Abstand auf Rang Eins: 2018 wur­den vor allem Erdöl und Erdgas einge­führt, ins­ge­samt Güter im Wert von 4,9 Mil­liar­den Euro. Der Anteil am Gesamtim­port Sach­sen-Anhalts lag damit 2018 bei 25,89 Prozent.

Nicht alle Güter, die zwis­chen Deutsch­land und Rus­s­land aus­ge­tauscht wer­den, sind mit Sank­tio­nen belegt. Ein flo­ri­eren­der Aus­tausch in bei­de Rich­tun­gen kön­nte nach Ansicht der Wirtschaft helfen, die Geschäfts­beziehung zu ver­tiefen. „Schnelle Lösun­gen wird es den­noch gewiss nicht geben, wohl aber eine allmäh­liche Annäherung”, hieß es dazu aus der Staatskan­zlei in Magde­burg. Dass Rus­s­land im Juni im Europarat die Stimm­rechte zurück erhal­ten hat­te, sei ein erster Schritt in diese Rich­tung.

Eröffnet wird das Tre­f­fen bere­its am Son­ntagabend mit einem Emp­fang. Erwartet wer­den unter anderem der Gesandte der Rus­sis­chen Botschaft, Andrej Sobolew, der Leit­er der deutschen Repräsen­tanz der Han­dels- und Indus­triekam­mer Rus­s­lands, Sergej Nikitin, Del­e­ga­tio­nen aus den rus­sis­chen Regio­nen Omsk und Uljanowsk sowie Start-ups und Unternehmen aus Rus­s­land und Sach­sen-Anhalt. Schirmherr ist Sach­sen-Anhalts Min­is­ter­präsi­dent Rein­er Haseloff (CDU). (dpa)

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